Orange Bohrmaschine hängt an einem Gerüst.

Warum 12 Bohrmaschinen im selben Mietshaus Quatsch sind

In einem durchschnittlichen Mehrfamilienhaus hängt in fast jedem Keller eine Bohrmaschine. Zwölf Wohnungen, zwölf Bohrmaschinen – und jede einzelne läuft in ihrem ganzen Leben nur ein paar Minuten. Das ist, wenn man kurz darüber nachdenkt, ziemlich absurd. Es bräuchte eine einzige, die man sich teilt. Genau da setzen Nachbarschafts-Plattformen an: Sie machen sichtbar, wer was hat – und wer sich was leihen kann.

Kurz gesagt: Mit Nachbarn zu teilen heißt, selten genutzte Dinge gemeinsam zu nutzen, statt sie einzeln zu besitzen. Plattformen wie nebenan.de, Pumpipumpe oder fainin helfen dir, in deiner Umgebung Werkzeug, Geräte und mehr zu leihen und zu verleihen – oft kostenlos.

Das Bohrmaschinen-Paradox

Werkzeug ist das beste Beispiel für unsinniges Einzelbesitzen: teuer genug, um zu ärgern, und so selten gebraucht, dass es die meiste Zeit nur Platz wegnimmt. Der Verleih-Anbieter fainin rechnet vor, dass ein einziges geliehenes Werkzeug im Schnitt zwölf Neukäufe ersetzt. Zwölf – wie unsere zwölf Bohrmaschinen im Haus.

Das Schöne am Teilen mit Nachbarn: Es spart nicht nur Geld und Platz, sondern schafft nebenbei etwas, das in vielen Städten verloren gegangen ist – tatsächlichen Kontakt zu den Menschen nebenan. Aus „Können Sie mir kurz die Bohrmaschine leihen?“ wird oft ein Gespräch, manchmal eine Bekanntschaft.

Was lässt sich mit Nachbarn teilen?

Fast alles, was du selten brauchst: Bohrmaschine, Stichsäge, Leiter, Bollerwagen, Raclette-Gerät, Nähmaschine, Beamer, Zelt, Kindersitz, Partygeschirr. Auch Können und Zeit lassen sich teilen – Blumengießen im Urlaub, Paket annehmen, kurz beim Umzug helfen. Die Faustregel ist dieselbe wie beim Leihen generell: Was du nur ein paar Mal im Jahr nutzt, musst du nicht besitzen.

Die wichtigsten Plattformen im Überblick

Es gibt verschiedene Wege, und sie funktionieren unterschiedlich. Ein ehrlicher Überblick:

nebenan.de – das große deutsche Nachbarschaftsnetzwerk. Hier vernetzt du dich mit Menschen aus deinem Viertel, kannst Dinge zum Verleihen anbieten, um Hilfe bitten, Termine finden. Kostenlos, breit aufgestellt – gut, wenn du ohnehin Anschluss in der Nachbarschaft suchst.

Pumpipumpe – das vielleicht charmanteste Konzept, und bewusst analog. Du bestellst dir einen Satz Aufkleber mit Symbolen (Bohrmaschine, Nähmaschine, Waffeleisen …) und klebst die, die du verleihen würdest, sichtbar auf deinen Briefkasten. Nachbarn sehen es und klingeln bei Bedarf. Zusätzlich gibt es eine Online-Karte. Kein Konto, keine App, kein Kommerz – einfach menschliches Miteinander.

fainin – eine App aus Hamburg, bei der du Gegenstände in deiner Umgebung mieten und vermieten kannst. Der Unterschied zu den anderen: Jede Leihe ist automatisch versichert, ohne Kaution. Das nimmt die größte Sorge beim privaten Verleihen. Hier fließt Geld (du kannst am Vermieten sogar verdienen), dafür ist es abgesichert.

Tauschticket und lokale Initiativen – zum Tauschen von Büchern, Medien und Dingen gibt es eigene Communities; dazu kommen viele regionale Leih-Läden und Nachbarschafts-Projekte, die es nur in einzelnen Städten gibt.

Ehrlich gesagt: Plattform ist nicht alles

Ein Blick zurück lohnt sich, damit du nicht enttäuscht wirst: Viele Sharing-Plattformen sind mit großen Versprechen gestartet und wieder verschwunden – das Konzept „alles per App leihen“ hat sich wirtschaftlich oft nicht getragen. Übrig geblieben sind vor allem die, die entweder einfach und nicht-kommerziell (Pumpipumpe) oder abgesichert (fainin) sind, plus das große Netzwerk nebenan.de. Das offizielle Umweltbundesamt nennt genau diese als empfehlenswerte Wege.

Die Lehre: Verlass dich nicht allein auf die perfekte App. Der zuverlässigste „Kanal“ ist oft der direkteste – ein Aushang im Hausflur, eine WhatsApp-Gruppe fürs Haus, oder schlicht bei der Nachbarin klingeln.

Wie fange ich an?

  1. Klein anfangen: Häng einen Zettel ins Treppenhaus („Verleihe Bohrmaschine, Leiter, Waffeleisen – klingelt einfach“) oder besorg dir die Pumpipumpe-Sticker.
  2. Eine Plattform ausprobieren: Schau, ob nebenan.de in deinem Viertel aktiv ist – in vielen Städten ist es das längst.
  3. Selbst anbieten: Teilen beginnt beim Geben. Wer zuerst etwas anbietet, senkt die Hemmschwelle für alle anderen.

Mein Good-Living-Fazit

Zwölf Bohrmaschinen in einem Haus sind kein Einzelfall, sondern der Normalzustand – und genau darin steckt die Chance. Wer anfängt zu teilen, spart Geld und Platz, schont Ressourcen und lernt nebenbei die Menschen kennen, mit denen er Wand an Wand lebt. Du musst dafür nicht dein Leben umkrempeln. Es reicht, einmal anzubieten, was du hast.

Dieser Beitrag gehört zu unserem großen Überblick Teilen statt Besitzen – dort findest du auch, wie du Kleidung leihst und was sich sonst noch teilen lässt.